Bilder

Von Banalitäten zu feierlichen Ereignissen II

Axel Groehl und die Sensation des Banalen

Zwischen Abfällen modern Bananenschalen. Der Geruch des verdorbenen Obstes, der aus dem Bild herazfzusteigen scheint, wirkt wie ein Synonym für den westlichen Konsumeifer, dessen Rastlosigkeit der Maler Axel Groehl mit seiner Serie «Von Banalitäten zu feierlichen Ereignissen» für kurze Zeit Einhalt gebietet.

Der Hamburger Künstler zelebriert mit seinen überdimensionalen Darstellungen der einfachsten Dinge des Lebens die Sensation des Alltäglichen. Seine Bilder, die von der Sinnesfreude zeugen, mit der er sich verschwenderich der ganzen Farbpalette bedient, schärfen den Blick für das Detail und verweisen auf seine besondere Ästhetik. Das tiefe Rot der Zündhölzer, dennen er ein Bild gewidmet hat, werden ebenso zum Genuss für das Auge wie der Faltenwurf der braunen Papiertüte. Der Lauf eines einfachen Bindfadens, der um ein Paket geschlungen ist, fasziniert nicht weniger als die Alufolie, die sich von einem Sektkorken löst.

Ob es eine Suppenkelle ist oder ein Damenschuh, ein Blumentopf oder ein Oberhemd - Groehls Motive sind in ihrer Schlichtheit eine Einladung zur Konzentration. Dabei lösen sie Assoziationsketten aus, die auf Wesentliches verweisen: Sie öffnen den Blick für Produktionsabläufe. Groehls Bilder zeigen ausschlie▀lich Gegenstände, keine Menschen.

Doch ganz unwillkürlich tauchen vor dem inneren Auge Personen auf, die mit hastigen Bewegungen unter dem Druck des Akkords Knöpfe annähen. Und der abgebildete Apfel lässt den Betrachter plötzlich an die Pflücker erinnern, die irgendwo in der Dritten Welt auf Leitern stehen, um für die westlichen Konsumenten Früchte zu pflücken.

Dr. Claudia Becker
Redakteurin
Feuilleton Berliner Morgenpost



Einführungsvortrag anlässlich der Eröffnung der Ausstellung «Von Banalitäten zu feierlichen Ereignissen» mit Gemälden von Axel Groehl in der Wissenschaftl. Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar im Oktober 1999 ... mehr